Im österreichischen Recht ist der Begriff „antizipierte Übereignung“ in dieser Form nicht gebräuchlich. Stattdessen spricht man allgemein von Eigentumsübertragungsmechanismen. Um dieses Konzept dennoch zu verstehen, kann man sich auf die allgemeinen Regelungen zur Eigentumsübertragung im österreichischen Zivilrecht stützen, die im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) geregelt sind.
Im österreichischen Recht erfordert die Eigentumsübertragung an beweglichen Sachen grundsätzlich drei Elemente: Titel, Modus und Berechtigung. Der Titel ist ein Rechtsgeschäft, das zur Übertragung des Eigentums geeignet ist, wie beispielsweise ein Kaufvertrag (§ 1061 ABGB). Der Modus ist die tatsächliche Übergabe der Sache (§ 426 ABGB). Die Berechtigung bedeutet, dass der Veräußernde auch der Eigentümer der Sache sein muss oder von diesem zur Übertragung der Sache ermächtigt wurde.
Eine Art vorgezogene oder „antizipierte“ Regelung, die der antizipierten Übereignung im deutschen Recht nahekommt, ist das Besitzkonstitut als Ausnahme von der physischen Übergabe. Hierbei bleibt der Veräußerer im Besitz der Sache, während das Eigentum schon auf den Erwerber übergeht. Dies ist durch eine Vereinbarung im Rahmen des Besitzkonstituts möglich (§ 428 ABGB).
Im Zusammenhang mit Immobilien kann man im Rahmen der antizipierten Nutzung auch an die Vormerkung im Grundbuch denken. Zwar erfolgt die Eigentumsübertragung von Liegenschaften formal erst durch die Eintragung ins Grundbuch, jedoch sichert die Vormerkung bereits eine zukünftige Rechtsposition zu, die unter gewissen Umständen rückwirkend wirken kann (§ 438 ABGB).
Zusammenfassend erfordert die Eigentumsübertragung im österreichischen Zivilrecht die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, wobei unter bestimmten Umständen eine Übergabe durch Konstrukte wie das Besitzkonstitut ersetzt werden kann. Diese Systeme bieten Flexibilität und Sicherheit in der rechtlichen Handhabung von Eigentumsübertragungen. Ein genau paralleles Konzept zur antizipierten Übereignung im deutschen Recht existiert jedoch nicht in derselben Ausgestaltung.