Im österreichischen Recht existiert das Konzept des „besitzlosen Pfandrechts“ nicht explizit unter dieser Bezeichnung. Im österreichischen Pfandrecht wird grundsätzlich das Faustpfandprinzip angewendet, das im § 447 ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch) verankert ist, welches besagt, dass das Pfand durch Übergabe an den Pfandgläubiger zu dessen Besitz gelangt. Dieses Besitzkonstitut ist ein zentraler Bestandteil des österreichischen Pfandrechts und erfordert, dass der Pfandgläubiger den Besitz der Pfandsache erhält, um Sicherungsrechte geltend machen zu können.
Jedoch gibt es moderne Sicherungsinstrumente, wie das Registerpfandrecht, das gewisse Aspekte eines „besitzlosen“ Pfandrechts aufgreifen kann. Ein Registerpfandrecht kommt beispielsweise bei Fahrzeugen zum Tragen, die im öffentlichen Register, wie dem Kfz-Zentralregister, eingetragen werden. Hierbei bleibt das Fahrzeug im Besitz des Pfandgebers, während das Pfandrecht im Register eingetragen wird (§ 451a ABGB). Dadurch hat der Pfandgläubiger gesicherte Rechte, ohne die physische Übergabe der Sache zu benötigen.
Auch das Unternehmerpfandrecht gemäß § 369 UGB (Unternehmensgesetzbuch) ermöglicht eine Art besitzlosen Schutz. In der Praxis können Unternehmen Sicherheiten an beweglichen Sachen oder Rechten stellen, die nicht physisch übergeben werden, indem sie die Pfandrechte vertraglich festlegen und dokumentarisch sichern lassen. Dies ermöglicht Flexibilität und kontinuierliche Nutzung der verpfändeten Sachen durch den Pfandgeber.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in Österreich kein klassisches besitzloses Pfandrecht im Sinne der unmittelbaren Besitzaufgabe gibt, wie es in anderen Rechtsordnungen vorkommt. Stattdessen ermöglichen moderne Rechtskonstruktionen und Eintragungen in öffentliche Register eine Form des Besitzschutzes für Pfandgläubiger, wobei der Pfandgeber den direkten Besitz der Pfandsache behält. Trotz dieser Entwicklungen bleibt das Prinzip der Übergabe der Kern des traditionellen Pfandrechts in Österreich.