Im österreichischen Recht bezeichnet der Begriff „Kanzlei“ allgemein das Büro oder die Geschäftsstelle einer Person oder Organisation, die in einem juristischen oder administrativen Bereich tätig ist. Besondere Ausprägungen im österreichischen Kontext sind die Anwaltskanzlei und die Notariatskanzlei.
Eine Anwaltskanzlei ist die Geschäftsstelle von Rechtsanwälten und dient der Ausübung der anwaltlichen Tätigkeit. Die Rechtsanwaltsordnung (RAO) und das Rechtsanwaltsprüfungsgesetz regeln den Beruf des Rechtsanwalts sowie die Gründung und den Betrieb einer Anwaltskanzlei. Gemäß § 1 RAO besteht die Hauptaufgabe eines Rechtsanwalts darin, Parteien in straf- und zivilrechtlichen Angelegenheiten zu vertreten und zu beraten. Die Einrichtung einer Kanzlei erfolgt oft aufgrund der unabhängigen und selbstständigen Berufsausübung.
Eine Notariatskanzlei ist hingegen die Geschäftsräumlichkeit eines Notars. Laut § 1 der Notariatsordnung (NO) sind Notare zuständig für die Beurkundung von Rechtsgeschäften, die Errichtung von öffentlichen Urkunden und die damit verbundene Beratung der Parteien. Eine Notariatskanzlei muss als Ort der Vertragserrichtung und -beurkundung bestimmten Erfordernissen entsprechen, um die Seriosität und Rechtsgültigkeit der abgewickelten Geschäfte sicherzustellen.
Neben diesen spezifischen Verwendungen kann eine Kanzlei im österreichischen Verwaltungsrecht auch eine allgemeine Verwaltungsstelle innerhalb einer Behörde oder Institution bezeichnen. In der Verwaltung ist die Kanzlei häufig für die Dokumentation, das Büro-Management und die Bearbeitung von Schriftverkehr zuständig, was in verschiedenen Verwaltungsverordnungen und internen Richtlinien geregelt wird.
Zusammenfassend handelt es sich bei einer „Kanzlei“ im österreichischen Recht um ein funktionelles Büro, das in mehreren Parallelstrukturen existiert: als Anwalts- oder Notariatskanzlei im juristischen Bereich und als Verwaltungskanzlei für administrative Aufgaben innerhalb öffentlicher oder privater Einrichtungen. Die spezifischen gesetzlichen Anforderungen werden durch unterschiedliche Vorschriften bestimmt, wobei die Rechtsanwaltsordnung, Notariatsordnung und diverse behördliche Bestimmungen maßgeblich sind.