Der Begriff „Präsidialsystem“ wird primär im Kontext ausländischer politischer Systeme verwendet und ist kein spezifischer Begriff im österreichischen Recht. In Österreich existiert ein parlamentarisches System, das im Wesentlichen durch die Bundesverfassungsgesetze geregelt wird. Diese regeln die Gewaltenteilung sowie die Funktionen der Exekutive und Legislative.
Die österreichische Bundesverfassung (BV-G) sieht eine klare Trennung der Staatsgewalten vor. Das Regierungssystem in Österreich ist ein parlamentarisches System, in dem der Bundespräsident als Staatsoberhaupt eine repräsentative Funktion einnimmt. Zwar hat der Bundespräsident auch einige bedeutende verfassungsmäßige Befugnisse, jedoch ist das System darauf ausgelegt, dass die Bundesregierung vom Vertrauen des Parlaments, konkret des Nationalrats, abhängig ist.
Der Bundespräsident wird direkt vom Volk gewählt (Art. 60 BV-G) und hat verschiedene Aufgaben, darunter die Ernennung und Entlassung des Bundeskanzlers und der restlichen Bundesregierung (Art. 70 BV-G), die Auflösung des Nationalrats auf Vorschlag des Bundeskanzlers (Art. 29 BV-G) und die Unterzeichnung von Gesetzen (Art. 47 BV-G). Dennoch wird der Begriff „Präsidialsystem“ in Österreich nicht genutzt, da das System durch die geteilte Macht zwischen dem Bundespräsidenten, der Bundesregierung und dem Parlament charakterisiert ist. Ein Präsidialsystem im strengen Sinn, bei dem der Präsident sowohl das Staatsoberhaupt als auch der Regierungschef ist und unabhängig vom Parlament regiert, existiert in Österreich nicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Österreich durch ein parlamentarisches Regierungssystem geprägt ist, das durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Staatsorganen und eine starke Rolle des Parlaments gekennzeichnet ist. Der Bundespräsident hat hauptsächlich repräsentative und kontrollierende Aufgaben, wodurch das österreichische System klar von einem Präsidialsystem zu unterscheiden ist.