Die Richtlinie 2003/48/EG des Rates vom 3. Juni 2003 im Bereich der Besteuerung von Zinserträgen ist eine Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft, welche die Mitgliedstaaten zur gegenseitigen Unterstützung bei der Erhebung der (nationalen) Einkommensteuer auf Zinseinkünfte verpflichtet. Geläufig sind die Bezeichnungen: Europäische Zinssteuerrichtlinie, EU-Zinsrichtlinie, EU-Sparzinsrichtlinie oder European Savings Tax Directive (ESD).
Ziel der Richtlinie ist eine ausnahmslose und gleichmäßige Besteuerung der Zinseinnahmen aller EU-Bürger mit EU-Wohnsitz, unabhängig davon, wo die Einnahmen erwirtschaftet werden. Hierfür soll der Kapitalanlagestaat den Wohnsitzstaat über die Höhe der Zinseinnahmen informieren. Eine Ausnahme besteht für Luxemburg und Österreich; diese Mitgliedstaaten geben grundsätzlich keine Informationen an den Wohnsitzstaat, sondern behalten eine Quellensteuer ein und führen diese zu 75 % an den Wohnsitzstaat ab. Belgien hatte zunächst ebenfalls eine Quellensteuer erhoben, nimmt aber seit dem Jahre 2010 am Informationsaustausch teil.
Mit Drittstaaten und anderen abhängigen Gebieten wurden ebenfalls Abkommen zum Informationsaustausch oder Quellensteuerabzug getroffen.
Teilweise wird missverständlich von der „Europäischen Zinssteuer“ gesprochen. Durch die Richtlinie wird aber keine Steuer auf europäischer Ebene eingeführt, vielmehr werden die Mitgliedstaaten zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet.
Persönlicher Regelungsbereich
Unter die Richtlinie fallen nur Zinszahlungen an natürliche Personen. Fließen die Zinsen einer Kapitalgesellschaft, Stiftung oder einer sonstigen juristischen Person zu, fällt das nicht unter diese Richtlinie.
Sachlicher Regelungsbereich
Erfasst werden nur Zinsen und zinsähnliche Erträge sowie bestimmte Veräußerungserträge von zinsbringenden Kapitalforderungen, nicht jedoch Dividenden oder Lebensversicherungserträge.
Bei Investmentfonds gilt die folgende Regelung:
- Enthält ein Fonds weniger als 15 % zinstragende Wertpapiere, fällt er nicht unter die Richtlinie.
- Enthält ein Fonds mindestens 15 % aber weniger als 25 % zinstragende Wertpapiere, gilt nur die Ausschüttung als Zinszahlung.
- Bei Fonds mit einem Anteil an zinstragenden Wertpapieren von 25 % ist die Richtlinie sowohl auf Ausschüttungen als auch auf Veräußerungserträge anzuwenden.
Durchführung der Richtlinie
Je nach Geltungsland müssen die Zahlstellen die Quellensteuer (in der Schweiz: „Steuerrückbehalt“) entweder abführen oder der zuständigen Finanzbehörde melden („Meldeverfahren“). Dazu müssen die Banken die Höhe des Steuerrückbehalts berechnen.
- In den Staaten der EU, außer Österreich und Luxemburg, sind bis zum 31. Mai jeden Jahres Identität und Wohnsitz des Kunden sowie die Höhe seiner Zinseinnahmen im abgelaufenen Jahr an die Finanzbehörde seines Wohnsitzstaates zu melden.
- Österreich und Luxemburg sowie Drittstaaten und andere Gebiete melden nicht die Zinseinnahmen, sondern führen 75 % der einbehaltenen Quellensteuern an die Wohnsitzstaaten der Kapitalanleger ab.
Quellensteuersätze
Zeitraum | Quellensteuersatz |
---|---|
1. Juli 2005 bis 30. Juni 2008 | 15 % |
1. Juli 2008 bis 30. Juni 2011 | 20 % |
ab 1. Juli 2011 | 35 % |
Umsetzung in Österreich
Die Richtlinie wurde in Österreich durch das EU-Quellensteuergesetz (EU-QuStG) umgesetzt. Die „Zinssteuer“ wird von den Zahlstellen einbehalten und bis 31. Mai des Folgejahres an das zuständige Finanzamt abgeführt. In der Meldung werden die Wohnsitzstaaten der Kapitalanleger, jedoch keine weiteren Informationen angegeben.
Weblinks
- Text der Richtlinie 2003/48/EG (deutsche Fassung): HTML, PDF (153,5 kB)
- EU-Kommission, Darstellung zur Zinsbesteuerung (englisch)
Quellen & Einzelnachweise
- Übersicht über die Abkommen mit anderen Staaten. Website des Bundeszentralamts für Steuern. Abgerufen am 20. August 2011.
- EU-Quellensteuergesetz (Text). Website des Bundeskanzleramts, Rechtsinformationssystem. Abgerufen am 20. August 2011.
http://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_2003/48/EG_im_Bereich_der_Besteuerung_von_Zinsertr%C3%A4gen 04.12.2014
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